Mittendrin und Draußen – Bericht einer WWOOFerin

Und plötzlich stand ich in Mechow. In diesem kleinen Dorf im Norden, umgeben von lauter Natur, wehendem Gras und einem herzlichen Kreis Menschen. Ich kam beim Infotag hier an. So wuselten viele Menschen über das Wandelgut und alle Organisator*innen stellten sich vor. Ich konnte mir einen theoretischen Eindruck machen über: Wandelwiese, Tante Wandel, Tiny Barns, die SoLaWi und wie die Leute zusammengefunden haben: erst Gert und Dennis beim Rinder Workshop, später Julius und Nika über die SoLaWi und Mona und Jere. Sie wollen mit dem WandelGut etwas aufbauen – im kleinen Maßstab eine wirtschaftliche Basis für ein soziales Zusammenleben schaffen. Dafür sind die meisten hier am Ackern – oder wie es hier heißt – am Rödeln. Denn es braucht viele Hände und Köpfe um diesen Ort lebhaft und dennoch strukturiert zu halten. Und damit wären wir auch beim Grund, warum ich hier bin: um zu helfen. Denn ich bin, neben Lena, hier eine weitere Wwooferin (World Wide Opportunities on Organic Farms). Unsere Unterkünfte sind die gemütlich eingerichteten Glamping Zelte auf der Wandelwiese.

Unsere Aufgaben auf dem Hof sind vielseitig. Neben der Arbeit im Garten oder der SoLaWi, wo wir meist Unkraut jäten oder ernten, verarbeiten wir Obst und Gemüse in der Gemeinschaftsküche im Gutshaus. Ab und an fahren wir nach Wietingsbek zur Tante Wandel, um dort beim Ausbau zu helfen. Ganz schön lang ist die Liste: Tische Ölen, die Lehmwand mit einer abriebfesten Schutzschicht streichen, die Astlöcher an Wand, Decke und Boden verschließen. Ach ja, die Betonplatten im Eingangsbereich müssen auch noch gelegt werden. Trotzdem sind Lena und ich guter Dinge. Denn wir sitzen im Alltag tagtäglich vor unseren Bildschirmen, tippen Zahlen und Daten ein. Da tut es gut auch mal handwerklich tätig zu sein. Über Strohballen zu klettern, mittags etwas zu bauen und abends zu sehen, was wir geschaffen haben. Dann zurück ins Gutshaus. Hier wird (fast) jeden Abend zusammen gegessen und gekocht. Manchmal sind es 15 Leute, manchmal 10, niemals weniger als 4.

 

Um so viele Menschen zu koordinieren, braucht es eine gute Kommunikationskultur. Als Abstimmungsform wurde die Soziokratie gewählt, die es braucht, um eine konsequente Selbstorganisation umsetzen zu können. Diese Form des Zusammenlebens macht es möglich, den Kapitalismus zumindest freundlicher zu gestalten – und konzentriert sich auf lokale, mikroökonomische Ansätze. Mit regionaler Einkaufskooperative, einer solidarischen Landwirtschaft, der Wandelwiese als Begegnungsort und Austausch, wie soziale und gemeinsame Wohnkonzepte. Dieser Ort zieht viele Menschen an, so waren auch beim Infotag, mehr als 40 Leute zu Besuch. Mich zieht vor allem dieser Kontrast zur Stadt, die üppige Natur, das gemeinsame Schaffen und Beisammensein, an.

Heute ist Lenas letzter Abend, bevor sie morgen in ihre Heimat nach Paderborn fährt. Sie weiß noch nicht so recht, wie es sich anfühlen wird, wieder in den Alltagstrott zurückzukehren. Doch als wir sie fragten, was sie mitgenommen hat, formulierte sie treffend: „Ich kann die Leute leider nicht mitnehmen.“

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